Röhrgraben
Der Röhrgraben war kein natürlicher Bach, sondern ein künstlich angelegtes System (ein Waal oder Kunstgraben), das im 16. Jahrhundert als amtsübergreifendes Großprojekt realisiert wurde: • Zweck: Der Röhrgraben diente zur Trinkwasserversorgung von Sangerhausen und speiste die Dreierteiche, die heute zum Rosarium gehören. • Der Vertrag zur Anlage: An der Vereinbarung zum Bau waren die Gemeinde Riestedt, das Kloster St. Ulrich zu Sangerhausen, der dörfliche Adel (Volkmar von Morungen) und die Müllerfamilie Hardebruch beteiligt. • Entschädigungen: Da der Graben die privaten Äcker durchschnitt, verpflichtete sich der Rat der Stadt Sangerhausen, der Gemeinde Riestedt 170 Gulden Entschädigung zu zahlen. Zudem erhielt der Müller Hardebruch, dessen Wasserrechte durch den Eingriff tangiert wurden, separat 100 Gulden für „das halbe Teil des Wassers“. • Historische Bauweise: Das Grabenbett wurde aus Lehm gestochen und die Böschungen mit lebenden Grassoden (Rasenrainen) stabilisiert. Zum Schutz vor Auswaschung wurden an den Ufern Kopfweiden gepflanzt, deren biegsame Ruten zu Uferzäunen (Faschinen) verflochten wurden.
⚔️ Der „Röhrgraben-Krieg“ und die 18 Wappensteine von 1738
Da Sangerhausen auf das Wasser angewiesen war und Riestedt für die Reinigung zuständig blieb, kam es regelmäßig zu erbitterten Konflikten: • Der amtliche Augenschein (25. Juli 1738): Nach zahllosen Beschwerden der Sangerhäuser wurde eine Ocular Inspection (Augenschein) vor Ort abgehalten. Man fand den Graben völlig verwildert, verschlammt und mit Schilf zugewachsen vor. • Die Versteinung: Zur Beilegung des Streits wurden entlang des Grabens exakt 18 Grenzsteine gesetzt, die das Wappen der Stadt Sangerhausen und die Jahreszahl 1738 trugen. Als Standardbreite des Grabens wurden 8 Ellen Sangerhäuser Maß definiert. Die Steine wurden an markanten Punkten wie dem Ritschert-Acker, dem Unterroda und den Ziegelweiden vermauert.